[…]

Tom Schulz

(with translations by Barbara Thimm)

Three Poems

das Mantra von Sintra

Gott geschah, als wir wegsahen
ernährt von Licht wie die Fensterflügel
der Geschäftshäuser

                                     in einer anderen Hemisphäre
bei unterbrochener Handlungskette, Trauben
von Menschen, die eingeschifft wurden

aus der Schleuse eines Weißbereichs
Reflektoren, und jene Nachläufer
auf der Datenautobahn –

                                           uns durchwirbelte es
in einem Vulvastrom, die vorgezogene Libido
eines unkontinentalen Kalenders

Challenger waren im Abtauchen
befindlich, Turnierpferde, wir umnüsterten
ganze Flanken

                          es blieben Kontemplationen, aufbewahrte
Rationen einer Mitternachtssaga –
auch wir segmentierten in den Amselreservaten
standing on a hummingbird

Johannisbrot in knittrigen Jackentaschen
in Ermangelung einer Mangelstube waren
wir rot, die Brocken hingeworfen

in das abstrale zum Kranz
geflochtene Nebenleben –
es fieberte Glas um den tanzenden

Atem, Meta

Ebenen, aus dem Brustraum heraus
in eine von Verdauungsfeuer entfachte Gegend
wo die zum Gedächtnis erweckten Körper

the Mantra of Sintra

god happened as we were looking elsewhere,
fed by light like the window panes
of office buildings;
                                     in another hemisphere
in a disconnected chain of events, clusters
of people about to be shipped

through the lock of a decon suite;
reflectors, and those striae
on the data highway—

                                     we were turmoiled
in a vulva stream, the uncontinental calendar’s
libido brought forward.

Challengers were about to go
underground; show horses, we caressed
whole flanks.

             what remained were contemplations, preserved
rations of a midnight saga—
we, too, segmented in blackbird reservations
auf einem Kolibri stehend.

carob in wrinkled cardigans,
missing the mangling services, we were
red, the scraps thrown as bait

into the secondary astral life
braided to a wreath—
grass grew feverish around the dancing

breath, meta

levels, out of the chest cavity
towards a region kindled by digestive fires
where the bodies, awakened to memory

~    ~    ~    ~    ~    ~    ~    ~   

Abendlied

die schwarze Sendung, das Schlaf-TV
es schläft die ganze Welt, es transzendiert
zu einem Rauschen, es treiben
die steinernen Gäste, bleigesch‘uuml;rzt

durch den Transitraum, die Schambeine
schmerzen, die Schmerzen hallen
durch die Abfertigungsschalter, zwölf Finger
D‘ärme, die auf dem Bildschirm flackern

das Data Control schweigt, die Filter
Spasmen zucken, die Aufzeichnungs
Maschine sinkt in den Ruhemodus
stabiles Schlummern, ein finisterrer

Stern hat sich die Gurken
Maske aufgesetzt, ach Oskarchen
Traumflaum von postmortalen Linden
wer zählt die Toten, die Schaf

Gewesenen, deren weißes Fleisch
aus dem Kindbett schimmert
o Stufenschwester Nacht
wir gehen hinüber, statisch auf

geladen, in den eklektischen Feinstaub
auf diese slumber party, mit einem
Blütenkelch voll Abschiedstropfen
(wir tränenreich versiegten Zisternen

wir gehen dahin mit Schnitt und weg
zehrendem Bier zur Neige) verwandelt
in Eigenurin, Rosenwasser der Mond
Scheintarif wird angesagt
:

Evening Song

the black telecast, the sleep tv,
the whole world fast asleep, it transcends
into murmur; the stone guests
are drifting, lead-aproned,

through the transit space; the pelvic bones
ache; the pain echoes
through departure lounges, duo-
dena flickering on screen;

data control remains silent, the filter
spasms, the recording
machine drops into sleep mode,
stable slumber, a doomsday

star has donned a cucumber
mask. Oh, little Oscar,
dream fluff of postmortem lime trees.
Who counts the dead, the once-sheep

whose white flesh gleams
from the childbed.
Oh, treadsister night,
we cross over, static,

supercharged in the eclectic dust,
to this slumber party, with a
calyx full of parting-drops.
We tearfully dried up cisterns;

we step with a spring and provisional
beer to the dregs) transmuted
to urine, rose water, the moon-
light special is being announced
:

~    ~    ~    ~    ~    ~    ~    ~   

Weimar Blues

hinterm Buchenwald die Um
Kehr der Photosynthese, getrimmtes
Gras, Wörter mit kurzen Vokalen

die Abhandlung der Schatten, die Dunkel
Reaktionen, es ist ein malerischer Tag
auf der Palette, ums Feuerwehrhäuschen

ranken Vermessungstrupps, die Richt
Schnur gezogen, das Lot angelegt
Selbstentzündetes im Sonnenglast

die gefühlsanzeigenden Thermometer
schwanken nicht, in Teichen
die Unken, teils rot, teils braun

es schwingen die Verse in Ruhe
die Köpfe der Memoranden taumeln
getunkt ins heillos geklärte Wasser, Klär

Schlamm, Landser in Buchenrauch
getaucht, der fahrbare Genesistisch
rollt vorbei an den Schautafeln

willst du die Rinde tauschen
illst du, llst d
es liegen die Eulen an, lauschen

dem Bruchband der Wolken
der Siegelhand, die zurückweicht
in einem der Restaurationsbetriebe

waren wir Lehrmädchen, ausgezogen
in die Buchenwälder, nackt
zwischen Büchern, auf den Matrizen

mit dem Dreisatz aus Lüge & Furcht & Vergessen
die Angst ist eine Winde
wir ziehen die Flaschen herauf

aus dem Jahrhundertjahrgang
wenn der Regen gegangen sein wird
sprengen wir die Gärten, nein

sprengen wir die Gartenhäuser

Weimar Blues

beyond the beech woods, the re
versal of photosynthesis, cut
grass, words with short vowels,

the discourse of shadows, the black out
reactions, it is a picturesque day
on the palette. Surveyor crews twine

around the little firehouse, the guide-
line drawn, the level positioned,
ignited in the sun’s glare.

The emotional thermometers
do not fluctuate. In ponds:
the toads, part red, part brown;

the verses vibrate quietly
the heads of memoranda stagger,
dipped into hopelessly clarified water, sewage,

sludge, privates ducked in beech smoke.
The mobile genesis table
rolls past the billboards;

do you want to trade the bark
ou want to, ant t
flattened the owls, listen

to the truss of clouds,
the signet hand withdrawing.
We were serving girls

in one of the bars, gone forth
into the beech woods, naked
between books, stenciled

with the triptych of lies & fear & forgetting.
Fear is a pulley;
we haul the bottles up

out of the premium vintage.
When the rains have ceased
we’ll blow up the gardens, no

we’ll blow up the garden sheds


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