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Ulrike Almut Sandig (with translations by Jane Gibia

Ulrike Almut Sandig

(with translations by Jane Gibian )

Three Poems


ich habe die namen der großen vögel vergessen.
jeden juni fällt brut vom first einer scheune, die jetzt
leer steht. später im jahr stehen sie steif auf den feldern,
von der straße her flocken die kleider weiß aus, von weitem
riecht nach verscheuerten sträußen + stahl + geborstenem
gut von jenem gewitter am anderen tag: meine heimat.
in der heimat brechen sich namen an der scholle,
im wort: was dort angebaut wird, ist mir fremd.



I have forgotten the names of the large birds.
every june, offspring fall from the roof of a barn, now
empty. later in the year they stand stiffly in the fields;
seen from the road, their coats curdled white; from
a distance the smell of cheap bouquets + steel + broken
goods from that recent storm: where I come from.
where I come from, names break with the clod, in
the word: what is cultivated there is foreign to me.



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weil die luft hier nie stillsteht, weiden, über den köpfen rauchschwalben
tiefgehen, es eng ist im luftraum der geschichte
+ weil ein handfester windstoß durch die reihen von
zähnen, noch jungen, die nur beim spielen gebrochenen
knochen, in die körper einfährt, im anflug zu einem satz
übers wetter, gibt es hier, es gibt nichts zu sagen.



since the air never stands still
here, gestures grazing on the hills
of grass, barn-swallows descend over
head; a closeness in the airspace of history
and since a sturdy gust pierces rows of teeth,
bodies still young, bones broken only in play,
in flight towards a comment on the weather:
here is there nothing, nothing to say.



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die versessenen gesten der trauerweiden
am graben zur straße nicht zu vergessen.
auch nicht die miene der geschichte (falsch
oder richtig?) beim schließen der eigenen
augen zur nacht, vor allem auf reisen
nie mehr auf lager zu haben als die leisen
reste geangelter träume im einzelzimmer
vor vier: aufzusein vom gerede im rücken
der kinder und haken schlagenden fischen
auf der flucht vor kieseln und der eigenen
hand, die (falsch oder richtig?) den beutel
trockenes brot zum hof dessen trägt, der
verrät. die pfeilgraden gesten der weiden
im späten august, wenn in allen hinteren
gärten vor wärme ein kurz angebundenes
sterben begann, nicht mehr zu vergessen.



not to forget the obsessive gestures of weeping willows
in the ditch along the street. neither the expression
of history (wrong or right?) when closing your eyes

at night, especially when travelling: to have nothing
more up your sleeve than the quiet remnants of dreams
fished from a single room at four: awake with memory,

grown-up talk behind the backs of children; zigzagging
fish escaping from pebbles and your own hand that (wrong
or right?) carries the bag of dry bread to the farmyard

of the betrayer. to forget no more those arrow-straight
gestures of willows in late august, when in each garden
the heat made a short-spoken dying begin.




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